ERNST EITNER

MONET DES NORDENS

Der Maler Ernst Eitner (1867-1955) zählte zu den Gründungsmitgliedern des Hamburgischen Künstlerclubs von 1897 und gilt bis heute als experimentierfreudigstes Mitglied dieser Vereinigung. Zunächst vom Publikum seiner Zeit missachtet, wurde er später als „Monet des Nordens“ gerühmt. Die Schau beleuchtet Eitners Persönlichkeit ergänzend zur Ausstellung der HASPA, die den Künstler 2017 ebenfalls mit einer Ausstellung und der Herausgabe des Werkverzeichnisses würdigt.

Die Ausstellung „Ernst Eitner. Monet des Nordens“ läuft vom 16. Mai - 12. November 2017 im Jenisch Haus in Hamburg.

WERKVERZEICHNIS ERNST EITNER

Die Präsentation und Erarbeitung des digitalen Werkverzeichnisses wurde durch die Hamburger Sparkasse initiiert und finanziert.

„Kunst aus Hamburg für Hamburg“ ist der Leitfaden, der die Sammlung Hamburger Sparkasse durchzieht. Die Sammlung beginnt mit Bildern des Hamburgischen Künstlerclubs von 1897, zu dem auch Ernst Eitner gehörte. Ein weiterer Schwerpunkt sind Werke der Avantgardekünstler der 1920er Jahre, die Mitglieder der Hamburgischen Sezession waren. Seit 1955 verleiht der Hamburger Senat jährlich den Edwin-Scharff-Preis an Künstler, die in der Stadt arbeiten, Zeichen setzen und Spuren hinterlassen. Ihre Werke spinnen diesen Sammlungs-Faden fort bis in die Gegenwart.

Ernst Eitner, Mitglied des Hamburgischen Künstlerclubs von 1897, gehört zu den Künstlern der ersten Stunde in der Sammlung Hamburger Sparkasse. Seinem Oeuvre eine Plattform zu bieten, ist der Haspa daher ein besonderes Anliegen. So entsteht vor den Augen aller Liebhaber des norddeutschen Impressionismus eine Übersicht über das reiche, vielseitige und umfassende Schaffen von Ernst Eitner.

Für nähere Informationen zu den einzelnen Bildern aus dem Werkverzeichnis Ernst Eitners, folgen Sie bitte diesem Link zur ausführlichen Datenbank.

Werkverzeichnis Ernst Eitner im Portal Museen Nord

ERNST EITNER

Meine Herren, malen Sie hamburgische Landschaft!
Alfred Lichtwark an die Künstler des Hamburgischen Künstlerclubs

Der 1867 geborene Ernst Eitner besuchte nach seiner Lithographenlehre die Gewerbeschule in Hamburg. 1886 begann er das Studium an der Akademie in Karlsruhe bei Gustav Schönleber, mit Unterbrechungen durch Malaufenthalte u.a. in Gothmund, Israelsdorf bei Lübeck und Maasholm an der Schlei. Auch bei seinen Reisen nach Italien, Kopenhagen, Belgien oder Paris wandte er die Techniken des Impressionismus für sich an und setzte sich mit fortschrittlichen Motiven auseinander.

Verbindungen zum renommierten Gründer der Hamburger Kunsthalle Alfred Lichtwark und Mitgliedschaften im „Hamburgischen Künstlerclub“ und in der „Vereinigung nordwestdeutscher Künstler“ bescherten ihm frühen Ruhm in fortschrittlichen Künstlerkreisen.
Zum Zeitpunkt seines Todes 1955 konnte er auf zahlreiche Künstlerreisen, Ausstellungen und Ehrungen durch die Stadt Hamburg zurückblicken.

Erste Selbstporträts malte Ernst Eitner bereits während seines Stipendiums in Karlsruhe 1887 und von da an immer wieder bis ins hohe Alter. Sie entsprechen der damals gängigen Porträtmalerei, die die eigene Person im Kontext des privaten Umfelds zeigte, boten jedoch auch die Möglichkeit, neue Sichtweisen sowie mehr Routine bei der Anwendung der eigenen Maltechnik zu entwickeln. Anhand der Selbstporträts lässt sich die Stilentwicklung Eitners im Laufe der Zeit nachvollziehen

Ernst Eitner, Abend an der Binnenalster, 1902
Ernst Eitner, Abend an der Binnenalster, 1902

ERNST EITNER UND DER IMPRESSIONISMUS IN HAMBURG

Was er zeichnet, enthält – sehr zum Unterschied von allen anderen – etwas, das mir imponiert; er scheint sich auch mehr für die Lösung der Lichtfragen zu interessieren als für den Akt an sich.
Der Künstler Arthur Illies 1888/89 über Ernst Eitner

1897 gründeten Eitner und seine Künstlerfreunde Julius von Ehren, Arthur Illies, Paul Kayser, Friedrich Schaper, Arthur Siebelist, Julius Wohlers und der ältere Liebermann-Freund Thomas Herbst den „Hamburgischen Künstlerclub“, um sich mit Ausstellungen in der Galerie Commeter selbst zu vermarkten.

Mit ihrer an den französischen Impressionisten um Monet orientierten Lichtmalerei provozierten die von dem Kunsthallendirektor Alfred Lichtwark geförderten „jungen Hamburger“ zunächst die konservativen Hanseaten zu Protest-Aktionen gegen die neue Richtung, die in Paris schon 20 Jahre etabliert war.

Exkurs: Monet als Inspiration

In 3 Tagen [in Paris] hatte ich so viele Kunstwerke gesehen, wie später in Wochen.
Ernst Eitner über seinen Aufenthalt in Paris, 1892

Die unverfälschte Wiedergabe der Natur, Atmosphäre und Unmittelbarkeit standen im Vordergrund. Es wurde auf Struktur, Linien und Lokalfarben verzichtet. Die momentane Stimmung wurde überwiegend in der Freilichtmalerei mit leuchtenden Farben in all ihren Abstufungen vor allem unter dem Einfluss des Sonnenlichts eingefangen. Der Malduktus zeichnete sich durch getupfte Pinselstriche aus. Dadurch entstand eine neue Art des Naturalismus.

Claude Monet, Die Bucht von Monaco, Rijksmuseum
Claude Monet, Die Bucht von Monaco, 1884
Rijksmuseum

Auslöser für diese Stilrichtung war ein Seestück von Claude Monet aus dem Jahre 1872 mit dem Titel „Impression – soleil levant“ („Eindruck – Sonnenaufgang“), das fortan als Namensgeber für den Impressionismus galt. Der Stil war eine Reaktion auf die Kunstakademien mit ihrer zumeist dunklen und unnatürlich beleuchteten Ateliermalerei sowie inhaltlich überbetonten Genre- und Historienmalerei. Die neue Malweise wurde zunächst nicht verstanden und verunglimpft.

Ernst Eitner, Wiese in Harvestehude, 1900
Ernst Eitner, Wiese in Harvestehude, 1900

„Schmieralien“, „Farborgien“ und „Spinat mit Ei“ waren noch die harmlosesten Beschimpfungen für die hellfarbigen bunten und nicht mehr traditionell tonigen Bilder mit Motiven von Elbe, Hafen und Alstertal sowie Interieurs. Ernst Eitner war der Kopf der Künstlergruppe, die das zur Kaiserzeit gemächlich dahinsegelnde Hamburger Kulturleben gehörig durcheinander wirbelte und die traditionelle Hamburger Malerei revolutionierte.

Ernst Eitner, Das Cafe Felber am Steindamm, 1897
Ernst Eitner, Das Cafe Felber am Steindamm 1897

Das Café Felber am Steindamm war der Treffpunkt der fortschrittlichen Hamburger Künstler um Eitner. Hier wurde aus Protest gegen die Anfeindungen von Seiten des bürgerlichen Kunstvereins gegen die Hamburger Impressionisten der „Hamburgische Künstlerclub von 1897“ gegründet.

HAMBURG IN DER MALEREI VON ERNST EITNER

Wäre ich Maler und hätte dann auch noch das Glück, Hamburger zu sein, keine Macht der Welt brächte mich über die Grenzen des einzigen Gebietes in Deutschland, das einen im edelsten Sinn malerischen Charakter hat.
Brief an Eitner von Alfred Lichtwark, 1891

Der Hamburger Kunsthallendirektor Alfred Lichtwark forderte seine jungen Künstler zum Malen von hamburgischer Landschaft und zu mehr Farbigkeit auf. Nach einer Exkursion zur Künstlerkolonie Worpswede, von der sie enttäuscht von den düsteren Bauern-Bildern zurückkehrten, zeigten ihre eigenen Paletten jetzt eine große Farbenvielfalt. Arthur Siebelist wagte sich nun an Außenalster-Bilder mit weißen Segeln, Eitner malte den Hafen und die Binnenalster im gelben Abendlicht und Paul Kayser interessierte sich für Schiffsszenen aus dem Hamburger Hafen.

Ernst Eitner, Dampfbagger beim U-Bahnbau, 1915
Ernst Eitner, Dampfbagger beim U-Bahnbau, 1915

Ab 1913 wandte sich Ernst Eitner auch dem U-Bahn-Bau, Ziegeleigruben, Fabriken, der Sanierung der Altstadt und anderen Großstadtthemen zu und erweiterte damit das Oevre des Hamburger Impressionismus.

Ernst Eitner, Sonnenuntergang im Hamburger Hafen, 1910
Ernst Eitner, Sonnenuntergang im Hamburger Hafen, 1910

NORDDEUTSCHLAND IN DER MALEREI VON ERNST EITNER

Dann begann ganz geheimnisvoll, ein frühlingshaftes Blühen auf den hellfarbigen, ja aufreizend grün, gelb und blauen Leinwänden der jungen Leute…
Friedrich Ahlers-Hestermann über die Exkursionen des Hamburgischen Künstlerclubs

Während sich die anderen Künstlerclub-Maler für Malstudien und ländliche Motive auf die Elbinsel Finkenwerder oder ins Alte Land zurückzogen, suchte Eitner diese Motive lieber an der Ostsee, an der Schlei und in der Lübecker Bucht. Auf Sylt faszinierten ihn das Lichtspiel der Wolken über Dünen und Meer.

Ernst Eitner, Sylter Starnd, 1914
Ernst Eitner, Sylter Strand, 1914
Ernst Eitner, An der Schlei, 1893
Ernst Eitner, An der Schlei, 1893
Ernst Eitner, Schilffeld an der Trave, 1893
Ernst Eitner, Schilffeld an der Trave, 1893

Eitners bedeutendste Arbeit von 1893, ein „Schilffeld an der Trave“, wurde 1894 im „Salon des Indépendants“ in Paris ausgezeichnet.

FAMILIE UND INTERIEUR

Ernst Eitner

Monet des Nordens

16. Mai - 12. November 2017

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Baron-Voght-Str. 50
22609 Hamburg

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Abbildungen
Die im Online-Dossier und dem Werkverzeichnis gezeigten Bilder stammen, wenn nicht anders gekennzeichnet, aus dem Nachlass Eitner.
Im Online-Dossier und Werkverzeichnis gezeigte Fotografien der Bilder, wenn nicht anders gekennzeichnet: Verena Fink.
Ernst Eitner, Mutter mit Kind, Foto Thomas Berg
Ernst Eitner, Selbstporträt, 1932, Foto Thomas Berg
Ernst Eitner, Selbstporträt, um 1905, Foto Elke Schneider
Ernst Eitner, Wiese in Harvestehude, Foto Thomas Berg

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